Dr. med. Walter Sehnert

Privatärztliche internistische Praxis in Dortmund

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Praxis für innere Medizin, Hypertensiologie
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Vogelgrippe

Es ist kein üblicher Herbst: In Bussen und Straßenbahnen ist die „Grippe“ häufiges Thema. Von der Erhabenheit, die den ziehenden Vögeln auch noch in Brechts berühmten Gedicht „Die Liebenden“ eigen war, ist nichts mehr übriggeblieben. Vom Symbol der Hoffnung („Kommt ein Vogel geflogen...“) sind die Vögel zu Todesbringern geworden. Der Grund sind erste Fälle von Vogelgrippe bei Hühnern in der Türkei und die damit verbundene Angst, dass sich die Erkrankung auf deutsches Geflügel – und schließlich auf den Menschen ausweiten könnte.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt – so die Stellungnahme des Robert Koch-Instituts - ist und bleibt die durch das Influenzavirus H5N1 hervorgerufene Erkrankung jedoch eine Tierseuche. Auch in Asien, wo bislang etwa 130 Menschen an H5N1-Influena (Vogelgrippe genannt) erkrankten, beschränken sich die Erkrankungen ausschließlich auf Menschen, die engen Kontakt zu befallenem Geflügel hatten. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde nicht beobachtet.

H5N1 – das Vogelgrippevirus

H5N1 steht für eine der zahlreichen Spielarten von Influenzaviren der Gruppe A, denen man aus gutem Grund argwöhnisch gegenübersteht. „H“ und „N“ sind Kürzel für zwei Eiweißverbindungen des Virus, denen entscheidende Bedeutung in Bezug auf die Gefährlichkeit zukommen: das Hämagglutinin und die Neuraminidase. Das Hämagglutinin hilft dem Virus, sich einer Zelle anzulagern und mit ihr zu verschmelzen. Von ihm hängt es ab, in welchem Wirt sich das Virus vermehren kann. Die Neuraminidase fördert die Freisetzung der nächsten Virusgeneration in der Wirtszelle.

Erreger, bei denen die Variante 5 des Hämagglutinin mit der Variante 1 der Neuraminidase kombiniert ist, sind für Virologen eigentlich alte Bekannte. Seit Jahrzenhgntenkursieren Influenzaviren dieses Typs in asiatischen Ländern bei Vögeln, insbesondere Wildenten und Hausenten sowie bei Gänsen. Den Tieren machte das aber nichts aus – und dem Menschen erst recht nicht. Influenzaviren neigen aber dazu, sich laufend zu verändern. Treffen sie auf verwandte Stämme, tauschen sie geradezu bereitwillig ihr Erbgut aus. Auch ist ihr Erbmaterial besonders fehleranfällig. Die entstehenden Mutationen können zu neuen Eigenschaften führen. So wurde eine Variante des Vogelgrippevirus H5N1 plötzlich zur tödlichen Gefahr – zunächst für Geflügel.

Bei der Influenzagrippe handelt es sich wahrscheinlich um eine noch recht junge Geißel der Menschheit. Es gibt Hinweise auf einen Ursprung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Möglicherweise sind solche Influenzaviren damals erstmals vom Tier auf den Menschen übertragen worden. Vieles spricht dafür, dass es sich dabei ursprünglich um Vogelviren gehandelt hat.

Theoretisch kann eine Mutation des H5N1-Virus jederzeit geschehen. Ganz abgesehen vom Vogelgrippenvirus halten Experten die Zeit wieder „reif“ für eine Pandemie. Die letzten Influenzapandemien 1918, 1957 und 1968 kosteten Millionen Menschen das Leben. Jederzeit müsse man mit einer neuen Welle rechnen. Das H5N1 Virus ist der „heißeste Kandidat mit der besten Performance“. Gerade die Hämagglutinin-Subtypen H2, H5, H7 und H9 des Influenza-A Virus besitzen Expertenmeinung zufolge die Eigenschaft, sich an den Wirt „Mensch“ anzupassen.

Die Sorge um drohende Mutationen bei H5N1 und die dadurch offenbar werdenden Defizite bei der Vorsorge haben aber einige gute Seiten: Die Gefährlichkeit der Influenzaviren und die Möglichkeit einer Pandemie rücken in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Momentan stellt sicht das Vogelgrippevirus, sondern die saisonale Influenza eine Gefahr für den Menschen dar. In Deutschland sterben jedes Jahr 5 000 bis 10 000 Menschen an der Grippe. Im vergangenen Winter waren es 20 000 Tote. Deshalb dringend der Appell an alle Risikopersonen, wie chronisch Kranken, älteren Menschen (> 60 Jahre), medizinischem Personal sowie in Gemeinschafts-einrichtungen tätigen Personen, sich impfen zu lassen. Die Impfung richtet sich in diesem Jahr gegen die Influenza-Subtypen H3N2 und H1N1. Vor dem Vogelgrippevirus H5N1 schützt sie nicht. Sie dient aber indirekt der Prophylaxe gegen eine H5N1 Pandemie: Mögliche Doppelinfektionen mit den bekannten Viren und dem Vogelgrippevirus und damit dessen Rekombination zu einem dem Menschen gefährlichen Vogelgrippevirus werden nach Expertenmeinung vermindert.

Ein Prototyp eines Impfstoffes , der auch gegen H5N1 schützen würde, existiert in den USA. In Deutschland wird in Marburg und Frankfurt fieberhaft an der Entwicklung eines aich gegen H5N1 wirksamen Impfstoffs gearbeitet.

Selbst wenn uns eine Pandemieereilen würde, wäre noch genug Zeit vorhanden, sie wirkungsvoll zu bekämpfen. Das liegt daran, dass Grippepandemien in der Regel in zwei Wellen verlaufen, deren erste die harmlosere ist. Das Problem werden dann mangelnde Produktionskapazitäten sein.

Ein weiteres Problem ist, dass zur Zeit noch kein geeigneter Schnelltest auf eine Vogelgrippeerkrankung vorhanden ist. Hier ist die Entwicklung jedoch recht weit gediehen.

Die gegenwärtig einzige Hilfe für Erkrankte beschränkt sich im Fall einer Pandemie auf die Einnahme von Neuraminidase-Hemmern wie Tamiflu â und Relenza â Sie sind breit einsetzbar gegen alle Influenza-A-Subtypen und die Influenza B. Sie müssen allerdings in den ersten 48 Stunden nach Auftreten von Symptomen eingenommen werden. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes stehen in Deutschland 10 Millionen Dosen zur Verfügung. Das reicht aber nicht aus. Die Ängste in der Bevölkerung, durch die Medien geschürt, haben den Markt leergefegt. Auf die Schnelle kann nicht nachproduziert werden. Von einer privaten Bevorratung mit Neuraminidase-Hemmer wird abgeraten. Eine falsche Einnahme dieser Medikamente erzielt lediglich gegenteilige Effekte.

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